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Odysee Sebadenitis

Im Alter von etwa 15 Monaten begannen die Hautprobleme bei meinem Grosspudelrüden. Immer wieder zeigten sich entzündete Stellen mit unangenehm riechenden braunen Verkrustungen. Wenn man diese entfernte, kam die Wolle gleich mit. Vom Tierarzt erhielt ich zuerst Ectofum-Shampoo, Salben und Sprays, die aber alle nichts nützten.

Im Alter von 3 Jahren wurde mittels Blutentnahme eine Allergie auf Flohbisse, Hausstaub- und Futtermilben festgestellt. Es folgte eine 5-jährige Hyposensibilisierung nach Prof. Kristensen. Monatlich spritzte ich meinem Hund die vorgeschriebene Dosis von 0,8 ml im entsprechenden Verhältnis von 1:100'000 bis 1:1'000. Die Hautprobleme bestanden jedoch weiterhin. Zuerst war nur die Gegend um die Rute betroffen, danach der ganze Rückenbereich bis zum Genick.

In einem Artikel las ich über Sebadenitis:

„In vielen Fällen finden sich erste Anzeichen an Ohren oder Kopf, dann Rumpf und Rute, die Erkrankung kann aber an jeder Körperstelle beginnen. Das von den Talgdrüsen produzierte Sekret, dass sich auf Haut und Fell verteilt, reguliert zum einen die Feuchtigkeit der Haut, zum anderen ist es eine Art von Barriere gegen Krankheitserreger und zusätzlich an der Bildung der Hornschicht beteiligt. Durch den Verlust dieser natürlichen Schutzschicht wird die Haut schuppig, die Hornschicht verdickt sich und die Haare brechen mitunter büschelweise mit anhaftenden, bräunlichen Schuppen ab. Insgesamt ist die Haut sehr anfällig für die Ansiedlung jedweder Art von Bakterien, die heftige, oft stark juckende und eitrige Entzündungsprozesse auslösen können. Die meisten der betroffenen Hunde riechen zu diesem Zeitpunkt sehr unangenehm. Im Endstadium der Erkrankung kommt es durch die körpereigene Abwehrzellen zur Selbstzerstörung der Talgdrüsen, die Entzündungsintensität nimmt dann wieder ab. Unter dem Mikroskop ist keine Talgdrüsenstruktur mehr erkennbar. Die Talgdrüsen können sich nicht mehr regenerieren, sie fehlen dem Hund dauerhaft.

Die Diagnose Sebadenitis zu stellen, ist nicht einfach. Grundvoraussetzung ist die Durchführung einer Hautbiopsie. Dabei werden mit einem speziellen Werkzeug (Hautstanze) unter lokaler Betäubung kleine Hautstückchen an meistens drei Körperstellen des Hundes (in der Regel Halsmitte, Rücken, Schwanzansatz) entnommen. Die Wunden werden mit einem Faden verschlossen.

Bis heute gibt es keine Therapie gegen die Ursachen der Erkrankung. Die Behandlung ist rein symptomatisch: es gilt, die Auswirkungen dieser Krankheit lindern. Sebadenitis ist nicht heilbar. Die Zerstörung der Talgdrüsen kann nicht rückgängig gemacht werden. Ein erkrankter Hund muss also lebenslang behandelt werden, damit die Auswirkungen der schwankend verlaufenden Erkrankung gelindert werden können. Eine langfristige Behandlung setzt immer am grössten Problem eines SA-Hundes an: dem fehlenden Schutzfilm der Haut. Es gibt eine Reihe von Bädern und rückfettenden Shampoos bzw. Spülungen, mit denen versucht wird, die natürlichen Vorgänge zu imitieren.

Die meisten Quellen gehen bei der Sebadenitis von einem autosomal rezessiven Vererbungsmuster aus, d.h. nur wenn beide Elterntiere das Defekt-Gen weitergeben, kann die Krankheit zum Ausbruch kommen. Es gibt keinen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Dauer der Erkrankung und deren Fortschreiten, bei manchen Hunden ist Sebadenitis ein eher schleichender Prozess, bei anderen Hunden ist das Endstadium mit Zerstörung der Talgdrüsen schon nach wenigen Wochen erreicht. Die Ursache, warum das Immunsystem plötzlich körpereigenes Gewebe wie die Talgdrüsen angreift, ist weiterhin unbekannt.“

Mein Grosspudelrüde zeigte genau die beschriebenen Symptome. Ich probierte die erwähnte „Rampak-Methode“. Dazu verwendete ich Johanniskraut-Öl und liess dieses einige Stunden einwirken. Wegen der Flecken an Wand, Möbel und Boden zog ich ihm in dieser Zeit ein altes T-Shirt an. Danach wurde er mit Sebolytic oder Sebocalm-Shampoo gewaschen. Es wurde tatsächlich besser. Ich war davon überzeugt, dass es sich um SA handelt, bekam aber von Grosspudel-Züchtern zu hören, dass diese Krankheit nur in den USA vorkomme...

Im Tierspital Zürich erkundigte ich mich über die Hautbiopsie. Da die Entnahme nur unter Narkose gemacht wurde, verzichtete ich vorerst darauf und behandelte weiterhin mit Öl und Spezial-Shampoos vom Tierarzt. Als bei Cachou im Alter von 12 Jahren eine Geschwulst am Augenlidrand unter Narkose entfernt werden musste, bat ich um gleichzeitige Entnahme der Hautproben. Am 27.05.2004 erhielt ich dann die Bestätigung meines Verdachts: „chronische plasmazelluläre und eitrige Sebadenitis“.

Von Dermatologe Dr. Favrot erfuhr ich, warum Frontline (das ich jahrelang zum Schutz gegen Flöhe und Zecken verwendet hatte) bei einem an SA erkrankten Hund nicht wirkt, denn es kann sich via Talgdrüsen nicht mehr übers ganze Fell verteilen. Es wurde mir das Scalibor-Halsband oder Adventix (nach jedem Bad) empfohlen. Neben dem Einsatz des natürlichen Johanniskrautöl wäre auch Propylenglycol mit Wasser (im Verhältnis 70:30) anwendbar.

Desweiteren wurde mir erklärt, dass die Diagnose „SA frei“ immer nur eine Momentaufnahme sei. Auch wenn die meisten Hunde in der ersten Lebenshälfte daran erkranken, kann SA in jedem Alter ausbrechen. So sei es auch möglich, dass beim selben SA-frei getesteten Hund eine Woche später bereits erste Anzeichen von SA in einer neuen Hautprobe feststellbar seien. Dies wiederum bedeutet, dass die Bezeichnung „SA-frei“, die man auf Züchter-Websites oft lesen kann, in dieser Formulierung nicht korrekt ist, denn es sollte „momentan SA-frei“ ergänzt mit Entnahme-Datum der Hautproben geschrieben werden.

Bei der Rasse Akita wurde ein Projekt zur Erforschung der Sebadenitis an der Universität in Göttingen beschlossen. Auch beim Pudel hofft man, dass in Zukunft ein Bluttest zur Verfügung steht. Mehr dazu unter:

 

http://standardpoodleclub.com/blood.html

http://standardpoodleclub.com/welfare-news.html

http://www.poodleclubofamerica.org/healthsa.htm

Im Sebadenitis-Forum las ich, dass einige Hunde erfolgreich durch biochemische und naturheilkundliche Medikamente behandelt wurden. Der Biochemiker, Dipl.-Ing. Stephan Fritsch, der selber einen betroffenen Hund hatte, entwickelte diese Methode. Mittels Analyse von Haar und Speichel wird nach diversen Belastungen (Bakterien, Pilze, Viren, Mangelzuständen und Organbelastungen) gesucht.

Als hilfreich haben sich anscheinend Fischölpräparate als reine Omega-3 Fettsäurelieferanten erwiesen (z.B. Virbac EFA-Z u.a. Produkte, die in der Apotheke erhältlich sind). Hinsichtlich der Dosierung ist zu beachten 180mg Eicosapentanoeische Säure (EPA) pro 5 kg Körpergewicht. Eine andere Option sei die Verfütterung eines Futters mit Fisch (z.B. Sensitivity Control, Skin Support oder Hills d/d).

Mein Grosspudelrüde ist zum Glück nur in milderer Form von SA betroffen, deshalb ging es lange Zeit mit einer Behandlung alle drei Wochen gut. Die Wasch- und Trocknung-Prozedur ist für ihn wegen der HD eine Strapaze, obwohl ich ihn immer sitzen oder liegen lasse und so schnell wie möglich arbeite.

Im Frühling/Sommer 2007 verschlimmerte sich der Zustand bei Cachou nachdem ich ein neues Futter mit Lachsöl ausprobiert hatte, welches mir speziell für Hunde mit Allergie, Haut- und Fellproblemen empfohlen worden ist. Plötzlich war Cachou von Hals bis Rute übersät von blutenden, eiternden und stinkenden Stellen. Alles Ölen/Shampoonieren und desinfizieren mit Jod half nichts mehr. Wegen einer bakteriellen Hautinfektion (http://www.kleintierklinikrigiplatz.ch/tierbesitzer/Pyodermie.pdf) musste ich ihn während 8 Wochen mit Antibiotika behandeln.

Nach Absetzen der Antibiotika traten die Verkrustungen leider bereits nach 2 – 3 Tagen wieder auf - aber die permanente Behandlung mit Antibiotika ist keinem Hund zuträglich. So musste ich wöchentlich ölen und baden. Von Dermatologin Dr. Nett von der Kleintierklinik in Cham erhielt ich Chlorhexidin/Miconazol Shampoo, Chlorhexidin-Lösung, Douxo Seborrhoe Mikroemulsion und ein Body (anstelle T-Shirt). Wie jemand einen solchen Aufwand mit einem an SA erkrankten Hund bewältigen würde, der nicht so gut eingerichtet ist, habe ich mich schon oft gefragt.

Unsere Kollegen aus Genf haben mir die „Savon d’Alep“ (Oliven- und Lorbeeröl-Seife aus Syrien) empfohlen. Die Aleppo-Seife ist ein reines Naturprodukt und besteht aus 60% Olivenöl und 40% Lorbeeröl. Sie ist rückfettend und erzeugt einen wunderbar weichen Schaum. Sie kann unter www.bionaturis.ch bestellt werden. Durch Anwendung dieser Seife konnte ich den Intervall auf 14 Tage erhöhen.

Wie mit so vielen Körperaktivitäten so verliert auch das Immunsystem mit zunehmendem Alter an Effektivität. Zur Stärkung des Immunssystems verwende ich neben Anima-Strath auch Spagyrik. Eine Bekannte empfahl mir kürzlich Engystol von der Firma Heel.

Die vielen Untersuchungen, Arzttermine, Medikamente, Shampoos, etc. verursachen enorme Kosten, aber Cachou ist mir dies alles Wert. Er ist der Hund meines Lebens und ich bin seiner Züchterin unendlich dankbar für diesen immer fröhlich Grosspudel, der täglich mit „continually wagging tail“ unterwegs ist. Er liebt die Menschen und mit seinem sonnigen Gemüt ist er eine unsagbare Bereicherung meines Lebens.

 

Trotz HD, SA und Allergien sind wir glücklich und dankbar, dass er immer noch bei uns sein darf. Mehr über die Autoimmun-Erkrankung Sebadenitis mit weiteren Erfahrungsberichten findet man auf folgenden Websites:

 

www.sebadenitis.de

http://www.upei.ca/cidd/Diseases/dermatology/sebaceous%20adenitis.htm

 

 

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Page last modified: 12.12.2008

 

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