|
HD- ein Leben mit Schmerzen
Als ich meinen Grosspudel mit 18 Monaten auf HD-Röntgen liess, hätte ich nie
damit gerechnet, den Bescheid C/C zu erhalten. Eigentlich wollte ich ihn als
Deckrüde ankören, aber mit einem solchen Resultat war daran natürlich nicht mehr
zu denken.
Am Abschlusstag des Erziehungskurses hatten wir mit einer Hundesportart
Bekanntschaft gemacht, die uns beide faszinierte. Als Anfängerin in Sachen
Hundehaltung fragte ich die Tierärztin, ob Agility für einen Hund mit
Hüftgelenks-Dysplasie trotzdem möglich sei. Sie riet mir dazu, denn ein guter
Muskelaufbau sei bei solchen Hunden enorm wichtig. Heute würde ich jedem
Besitzer eines Hundes mit HD C eine andere Hundesportart als Agility empfehlen.
Da Cachou mein erster Hund war, wusste ich es nicht besser und vertraute dem Rat
der Tierärztin.
Mit dem Training begannen wir selbstverständlich erst, als Cachou ausgewachsen
war. Wir trainierten nie mehr als einmal wöchentlich. Unseren ersten Wettkampf
absolvierten wir 1996. Bereits 2 Jahre später haben wir mit dem Agility wieder
aufgehört. Die Teilnahme an der Schweizermeisterschaft in Müntschemier 1998 war
unser letzte Wettkampf. Obwohl wir grosse Freude am Agility hatten, bekundete
Cachou nach dem Training Mühe beim Aufstehen und in den Positionen „Sitz“ und
„Platz“ entlastete er einseitig. Ich liess ihn deshalb nochmals Röntgen mit dem
Resultat: Verschlechterung auf HD D.

Als unermüdliches, arbeits- und apportierfreudiges Pudeltier wäre Cachou im
Trieb wohl bis zum Umfallen weiterhin über die Hindernisse gesprungen. Ich liebe
meinen Hund und wollte noch viele Jahre Freude an ihm haben. Als
verantwortungsbewusste Hundebesitzerin galt es deshalb, vernünftig zu sein und
so entschied ich mich, mit dem Agility aufzuhören. Cachou war damals erst 5
Jahre alt.
Einige Personen aus der Agility-Szene konnten meinen Entscheid nicht verstehen
und ich bekam zu hören: „Mach doch weiter, dann gibt es schneller einen neuen
Hund!“ Dies war leider nicht das erste Mal, dass ich in der Hundesport-Szene die
Bekanntschaft von Menschen machen musste, die ihren Hund als Sportgerät zur
Befriedigung ihres eigenen Ehrgeizes missbrauchen.
Die Suche nach einem neuen Betätigungsfeld erwies sich in unserer
leistungsorientierten Gesellschaft schwieriger als erwartet. Wir probierten es
mit Obedience, Sanitäts-, Begleit- und Fährtenhund. Die Bodenkälte beim Warten,
bis alle anderen Hundebesitzer ihre Übungen absolviert hatten, war für Cachou
problematisch, weil er danach nur mit Mühe aufstehen konnte. Sein Unvermögen,
beim Platz in exakter Sphinx-Stellung zu verharren und das Kippen in der
Sitz-Position bereitete hingegen den Übungsleitern Schwierigkeiten, denn es
wurde mir erklärt, dass dies an Prüfungen zu Punkteabzügen führe. Es war also
nicht leicht, für einen Hund mit HD noch etwas zu finden, wo man einfach nur
Spass haben konnte, ohne dass nicht sofort an die Teilnahme bei irgendwelchen
Wettkämpfen gedacht wurde.
An der HUND in Winterthur schauten wir uns das Dog-Dancing an. Ich lernte eine
nette Gruppe von Hundebesitzerinnen kennen, die sich alle 4 Wochen in der
Reithalle in Freudwil bei Uster treffen. Während 2 Jahren machten Cachou und ich
beim Training mit (selbstverständlich ohne Sprünge). Er zeigte dann aber auch
hier Schwierigkeiten aufgrund seiner HD und so haben wir auch damit aufgehört,
obwohl Cachou immer voller Elan und Tatendrang mitgemacht hat.
Beim Ausflug der RG Romandie im Sommer 2005 wurde er von einer Osteopathin
behandelt. Sie teilte mir mit, dass das teilweise Hinken vorne auf die
Fehlbelastung wegen der HD zurückzuführen sei, die bis zum Atlaswirbel reiche.
Diese Behandlung hat ihm sehr gut getan, denn danach belastete er das rechte
Hinterbein wieder. Sie zeigte mir Übungen, die ich seither mit ihm mache.
2006 bekam Cachou erstmals eine Muskelaufbau-Spritze und Cortison. Die
Scher-Prozedur müssen wir etappenweise vornehmen, denn es ist für ihn sonst eine
zu grosse Strapaze. Seit 2007 erhält er jeden Morgen Rimadyl gegen die
Schmerzen, um seine Lebensqualität so gut wie möglich weiterhin zu erhalten.
Tägliche Spaziergänge und abwechslungsreiche Ausflüge mit vielen Kontakten zu
anderen Hunden und Menschen sind nicht nur gut für die Muskeln, sondern für den
Hund als Laufraubtier unabdingbar. Im Sommer schwimmt Cachou gerne im See und
fördert dabei Allerlei zutage (Bierflaschen, Turnschuhe, usw.).
Für das Wohlergehen unserer Haustiere sorgt eine abwechslungsreiche Ernährung.
Daneben bekommen unsere Hunde täglich Canosan. Verwendung finden auch
homöopathische Globuli, Schüssler-Salze und Spagyrik. Kuren mit Teufelskralle,
Weihrauch, Litozyn (Hagebutten-Pulver), Bogamove und Arthroluxyl haben wir
ebenfalls schon gemacht.
An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich mich immer wieder
gegen eine Zuchtverwendung von Hunden mit HD C eingesetzt habe. Meines Erachtens
sollte nur mit gesunden Hunden gezüchtet werden. Aufgrund meiner Erfahrung mit
meinem Grosspudelrüden stufe ich einen Hund mit HD C nicht als gesund ein.
In der Schweiz sind aber Grosspudel mit HD C nach wie vor zur Zucht
zugelassen. Neben dem eingeschränkten Genpol wird behauptet, dass ein Pudel
aufgrund seines geringen Körpergewichts keinerlei Probleme mit HD habe. Mein
Grosspudelrüde wiegt nur 21 kg, ist aber in seiner Lebensqualität stark
eingeschränkt und hätte gemäss den Experten des Tierspitals Zürich künstliche
Hüftgelenke benötigt. Ich weiss, dass mein Grosspudel kein bedauerlicher
Einzelfall ist. Dass er trotz HD so alt werden durfte, ist sicher auch der
sorgfältigen und liebevollen Pflege sowie einer artgerechten und vernünftigen
Hundehaltung zu verdanken.

In der Zeitschrift HUNDE 7/2004 las ich im Rasseporträt des Barbets, dass in
diesem Club Hunde mit HD C nicht zur Zucht verwendet werden dürfen und dies,
obwohl weltweit nur etwa 350 bis 400 Exemplare existieren (hier kann wirklich
von einem eingeschränkten Genpol gesprochen werden). Wie ich von einer Kollegin
erfahren habe, sind Hunde mit HD C bei den Lagotto Romagnolo ebenfalls nicht zur
Zucht zugelassen.
Mit dem Einsatz gegen die Zuchtverwendung von dysplastischen Hunden stösst man
aber nicht nur auf taube Ohren, sondern man wird verbal attackiert: „Man muss
eben nicht bereits mit 6 Monaten auf den Agilityplatz!“ und „Wieviele
Grosspudelwürfe haben sie schon gezüchtet?“ Als ob die ethische Gesinnung eines
Menschen davon abhängen würde, wie viele Würfe er gezüchtet hat. Ich denke, wenn
jemand ein Recht auf eine eigene Meinung hat, dann ein Besitzer eines von HD
betroffenen Hundes, der täglich dieses Leiden miterlebt.
Eine Grosspudelzüchterin musste sich anhören, dass man sich von einer Anfängerin
in Sachen Hundezucht doch nichts vorschreiben liesse und weiterhin C x C Hunde
verpaare, denn schlussendlich müsse der jeweilige Züchter seinen Kopf selber
hinhalten - den Kopf hinhalten müssen aber die später von HD betroffenen Hunde
und deren Besitzer. Zum krönenden Abschluss wollte man sogar den Züchtern von
Mittel-, Zwerg- und Toypudel verbieten, sich zu diesem Thema überhaupt äussern
zu dürfen.
Eigentlich ging ich immer davon aus, dass die Gesundheit für einen Züchter an
erster Stelle stehen sollte. Schlussendlich ist doch auch er auf einen gesunden
Hund für einen späteren Zuchteinsatz angewiesen. Ich fand diese Arroganz
und der aggressive Umgangston erschreckend und habe daraus meine Konsequenzen
gezogen.
Die Ergebnisse der HD-Forschung belegen zweifelsfrei, dass HD eine erbliche
Komponente hat und sich durch sorgfältige Zuchtwahl und Nachzuchtkontrolle
reduzieren liesse. Der Hund ist ein Laufraubtier und sollte ein schmerzfreies
Leben ohne HD geniessen dürfen. Käufer von rassereinen Hunden erwarten meines
Erachtens mit Recht einen gesunden, arthrosefreien Hund.
Natürlich kann trotz grösster Sorgfalt bei einem Welpen die Disposition zur
Hüftgelenksdysplasie vorhanden sein und HD entstehen. Nach dem Motto "Augen auf
beim Grosspudelkauf" sollten sich aber Welpen-Interesenten die Ahnentafeln
und Originale der HD-Resultate der Elterntiere vom Züchter zeigen lassen, denn
auch Websites sind in dieser Hinsicht leider geduldig.
Zuchthunde sollten grundsätzlich HD-frei (A) sein oder höchstens eine
Übergangsform (B) aufweisen.
Wenn von 9 angekörten Grosspudel-Deckrüden nur noch ein einziger HD-frei (A/A)
ist, kann man nur hoffen, dass die Zuchtbestimmungen bezüglich HD im Sinne der
Förderung der Gesundheit des Pudels endlich verbessert werden.
Weitere Informationen zum Thema HD unter:
http://www.vet-rad-onk.uzh.ch/dienstleistungen/dienstleistungenbg/roentgengelenke/hueftdysplasie.pdf
http://www.svk-asmpa.ch/hund/hd/index.html
http://www.poodles-in-scandinavia.com/hd_dna.htm
|